Lohnt der Umstieg auf einen USB 3.0-Kartenleser?

Da USB 3 immer mehr Verbreitung findet (jetzt sogar in den neuen Macs) habe ich mir die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, auch den Kartenleser gegen ein USB 3-Pendant auszutauschen.

Zu diesem Zweck habe ich mir zunächst einen Transcend USB 3.0 Kartenleser besorgt und ihn mit verschiedenen Karten gegen meinen rund 2-3 Jahre alten Hama USB 2.0-Kartenleser antreten zu lassen.

Die Karten

Jahrelang habe ich in meiner Pentax eine Sandisk 2 GB-SD-Karte benutzt, beim Umstieg auf nur noch RAW-Fotos dann mal eine SD-HC von Transcend mit 8 GB Speicherkapazität gekauft. Da sich die Speicherkartenpreise in den letzten Jahren massiv verringert haben, ist letztens noch eine 16 GB-Karte, ebenfalls von Transcend hinzugekommen.

Wenn ich bedenke, dass mein 1 GB-Microdrive vor zehn Jahren noch mit rund 230,- € zu Buche geschlagen hat, sind die rund 12,- für die 16 GB schon unverschämt billig. Der Preisverfall beträgt in diesem Fall 94%.

Also habe ich zunächst diese drei Karten gegeneinander antreten lassen. Als langsamste hat sich die Sandisk Ultra II (ganz links im Bild) erwiesen, die mit angeschlossenem USB 2-Reader je 10 MB/s lesen und schreiben kann. Mit angeschlossenem USB 3-Reader kommt sie ganz knapp auf 11 MB/s. Die beiden Transcendkarten (zweite und vierte Karte im Bild) sind etwas schneller. Sie erreichen rund 20 – 23 MB/s beim Lesen und rund 14 – 18 MB/s beim Schreiben. Sowohl im USB 2, als auch in den USB 3-Kartenlesern.

Anhand dieser Ergebnisse war ich ziemlich enttäuscht, denn ein Gegencheck der USB 2.0-Schnittstelle mit meinem 16 GB USB 3.0-Stick zeigt, dass dort maximal 35 MB/s beim Lesen und Schreiben möglich sind. Wenn die Karten diese Zugriffszeiten noch nicht mal erreichen, ist es sinnlos, bei diesen Geschwindigkeiten auf USB 3.0 umzusteigen.

Aber Moment, die getesteten Karten sind nicht die schnellsten, die es gibt, sondern bestenfalls unteres Mittelfeld. Die Geschwindigkeit von SD-Karten wird in Klassen angegeben. So müssen „Class 2“ mindestens 2 MB/s Schreibgeschwindigkeit erreichen. „Class 4“, „Class 6“ und „Class 10“ erreichen jeweils mindestens 4, 6 und 10 MB/s. All diese Klassen verwenden das UHS (Ultra High Speed)-Bussystem der SD-Karten. Um neueren Anforderungen gerecht zu werden, wurde Mitte 2010 neue Bussysteme vorgestellt, namentlich UHS I und UHS II. Ziel ist, höhere Geschwindigkeiten zu erreichen. UHS I-Karten bewegen sich schreibzugriffsmäßig zwischen 50 und 104 MB/s. UHS II-Karten zwischen 156 und 312 MB/s. Wie man sieht, geht auf diesem Sektor noch einiges.

Also habe ich mir für den Anfang eine UHS-I-Karte besorgt (Sandisk Extreme Pro 8 GB) und habe diese gegen die anderen Karten antreten lassen. Der Hama-USB 2.0-Kartenleser liest ihre Daten mit rund 20 MB/s und schreibt sie mit rund 19 MB/s. In den USB 3-Lesern geht das schon fixer. Hier kann sie mit rund 80 MB/s ausgelesen und mit 70-75 MB/s beschrieben werden. Das sind schon ganz andere Werte. Diese Karte ist also rund 4x schneller als die anderen.

Die Kartenleser

Ich hatte mir zunächst den oben schon gezeigten Transcend USB 3.0-Leser gekauft, war aber ob der so erreichten niedrigen Zugriffsraten bei normalen SD-Karten unsicher, ob sie nicht am Kartenleser festzumachen sind. Also habe ich noch einen Kingston nachgeordert und die Zugriffszeiten nochmal mit diesem getestet.

Die Unterschiede der Zugriffszeiten bewegen sich bei den normalen Karten im Bereich von max. 1 MB. Bei der schnellen Sandiskkarte sind die Unterschiede schon signifikanter. Hier ist der Kingstonleser beim Lesen rund 5 MB/s schneller. Beim Schreiben zwischen 1 und 5 MB/s). Beide Kartenleser kommen neben CompactFlash-Karten und Microdrives und auch mit Micro-SD-Karten zurecht, sodass hier keinen Adapter mehr notwendig ist. In den Transcend passen allerdings keine CompactFlash II-Karten, also Microdrives mehr. Sie sind schlicht zu hoch für den Schacht.

Dem Transcend ist ein Kabel von 60 cm Länge beigelegt,  Kingston ist da großzügiger und spendiert seinem Leser ein 1,10 m langes Kabel. Wenn der Reader hinten an den Rechner angeschlossen werden soll, ist das längere Kabel praktischer. Ansonsten kann auch auf ein USB 3.0-Verlängerungskabel zurückgegriffen werden.

In einigen Amazonrezensionen wird bemängelt, dass die Kartenleser zu leicht sind, um sie vorm Wegrutschen zu sichern. Ich finde, das ist unerheblich, weil ich die Geräte eh nur temporär an den Rechner anschließe. Wichtig finde ich, dass beide Geräte unter Windows 7 neu reingesteckte Karten erkennen. Bei dem Hama-Reader ist es notwenig, den Leser jedesmal beim Einstecker einer neuen Karte von der USB-Schnittstelle zu trennen und neu zu verbinden. Das finde ich auf Dauer erheblich lästiger, als ein verrutschendes Kartenlesegerät. Vorallem wenn ich mehrere Karten nacheinander übertragen will. Und zum Schluss hier noch eine Tabelle, die alle gemessenen Werte darstellt. Ich habe mit CrystalDiskMark getestet:

Fazit

Momentan sind schnelle Karten nur dann sinnvoll, wenn die Übertragung von der Karte auf den Rechner schnell gehen soll. Das kann bei Pressefotografen der Fall sein, die ihre Bilder nach dem Shooting schnell zur Verfügung haben müssen. Ich kann mir auch vorstellen, dass es im Urlaub, nachdem man die Karten tagsüber vollfotografiert hat, schön ist, sich nicht so lange mit der Übertragung der Bilder aufhalten möchte.

Ein Rechenbeispiel, was die Übertragungsraten verbildlicht:

Fotografiert man eine 16 GB-Karte voll, dauert die Übertragung auf den Rechner bei einer Standard-Class 10-Karte rund 13 min. Bei meiner getesteten Sandisk Extreme Pro und USB 3.0 sinds nur 3 min. Das ist eine Zeitersparnis von 10 min. Bei 32 GB sinds aber schon 20 min und bei 64 GB rund eine dreiviertel Stunde. Wenn die Übertragungszeit nicht so wichtig ist, reicht also nach wie vor ein USB 2.0-Kartenleser und die normalen, billigen Class 10-Karten.

Ich werde jedenfalls den Kingston behalten, weil er bei der Sandisk Extreme Pro doch ne Ecke schneller als der Transcend ist. Außerdem fühlt er sich etwas hochwertiger an. ;)

Update vom 04.11.2012:
Ich nutze den Reader von Kingston seit Juni regelmäßig und stelle fest, dass er dazu neigt, das Gehäuse von SD-Karten zu beschädigen. Das kommt daher, weil man die Karten beim Reinschieben verkanten kann. Bei einer Karte wurde einer der Stege, welche die Kontakte von einander trennen schon ausgehebelt und ist abgebrochen. Das ist nicht wirklich tragisch, sollte aber trotzdem nicht vorkommen. Beim Reader von Transcend kann die Karte beim Reinschieben ins Gerrät nicht verkantet werden.

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12 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Willi sagt:

    Sehr schön gemacht und vor allem auch so aussagekräftig, daß man sich selbst nach Deinem Bericht entscheiden kann, was man will und/oder benötigt. Sehr hilfreich! Danke!

  2. Sabri Noor sagt:

    Super Test, vielen Dank!

  3. Dave sagt:

    Hi! Danke super Test! Keep it comming that way!
    Habe auch den Transcend 3.0 Reader und komme mit meiner Extreme Pro 16GB Leider nur auf 21 mb/s lesen?! Natürlich auf 3.0 port… Irgendwelche vorschläge?

    • Michael sagt:

      Hast du den Kartenleser an einem USB-Hub hängen, der nur USB 2 kann? Oder an einer Verlängerung? Wenn nicht, könntest du testen, ob andere USB 3-Geräte (Sticks, Festplatten) genauso langsam sind. Wenn das so ist, ist irgendwas an der USB 3-Schnittstelle an deinem Rechner faul.

  4. Josef sagt:

    Guter Test, der mich überzeugt hat bei meinen alten zu bleiben. Die Zeitersparnis ist nicht relevant bei den paar Bildern die ich mache.

    • Michael sagt:

      Wobei ich natürlich sagen muss, dass es schon toll ist, wenn eine volle 8 GB-Karte mit RAW-Dateien ratzfatz übertragen wird. Ein weiterer Vorteil der USB 3.0-Leser, die ich durch den Test hier habe ist, dass sie einen Micro-SD-Slot haben. Damit fällt das Gefummle mit dem Adapter weg, wenn man mal schnell die Karte aus dem Handy mit Bildern – zum Herumzeigen in der Familie – füllen will. Ob es dererlei Einschübe auch bei USB 2.0-Readern gibt, weiß ich nicht.

  5. Josef sagt:

    Es nutzt aber nix, wenn ich auf meinem Rechner keinen USB 3 Eingang habe. Die Bilder die ich mit meinem S3 gemacht habe, kann man auch damit zeigen, klasse Qualität und ich denke, es ist mehr gefummel die kleine mikrokarte aus dem Handy zu holen als es schnell komplett an den Rechner zu koppeln.

    • Michael sagt:

      Naja, USB 3 ist ja abwärtskompatibel. Wenn du eine schnelle Karte hast, nutzt die schon auch die volle USB 3-Bandbreite aus. Allerdings – und das muss ich auch sagen – sind die Micro-SD-karten in der Regel eher langsam (um die 5MB/s beim Lesen und Schreiben), da reicht auch ein USB 2-Kartenleser, da hast du schon recht.

  6. Thomas sagt:

    Hallo Michael,
    finde Deine Testergebnisse klasse,aber habe da noch ein paar Fragen?
    Hast Du mal was von dem neuen Kartenleser Lexar-Professionell Duo USB 3.0 gehört,der soll
    der schnellste sein ,und was mich interessiert ist, wieviel schneller ist er mit einer Extreme III CF Card
    2GB RAW voll als wie mit USB 2.0 Unterschied mal in Sekunden beim hochladen ?
    Wir reden von dem gleichen Prozesser+Rechner.

    Habe einen AMD Athlon II Quad mit Arbeitsspeicher 4GB Du warscheinlich noch besser?
    Mich interessiert hauptsächlich der Zeitunterschied bei gleichen Bedingungen in Sekunden
    oder Minuten!

    Gruß Thomas……….

  7. Cindy sagt:

    Hallo Michael,

    ich bin auf deinen Test gestoßen weil ich bisher meine Bilder direkt von der Kamera auf den Mac übertragen lasse (die jeweilige Karte ist dann eben in der Kamera) und ich raus finden wollte ob sich dieser Prozess beschleunigen lässt (Ich habe eine Canon 550D und ausschließlich Transcend 16 GB SDHC Karten), ich fotografiere im RAW-Format und bis solch eine Karte (wen nsie voll ist) von der Kamera auf den Mac ist bzw. die Daten dauert es (ich geb einfach mal die Zeiten an weil ich mathematisch mit der Geschwindigkeit nicht weiß wie viel das ist) ca. 45 Minuten wenn nicht sogar länger. Wenn ich nun 5-6 Karten habe, dann bin ich schon recht lange damit beschäftigt. Ich wollte gerne etwas Zeit sparen und mich schlau machen ob ein Kartenlesegerät das beschleunigen würde. Hast du hier einen Tipp für mich? Also bringt es etwas wenn ich auf ein Kartenlesegerät umstelle? Ich bin leider nicht so bewandert was Technik und drum herum angeht aber ich mache wahnsinnig viele Bilder und es würde mir ein wenig helfen. Den Test selbst finde ich sehr interessant und habe ih naufmerksam gelesen auch weil du ihn so ausführlich gemacht hast.

    • Michael sagt:

      Ich würde in schnellere Karten investieren. Die Transcendkarten nutzen schon nicht die Möglichkeiten der USB 2.0-Schnittstelle aus, die in etwa 35 MB/s übertragen kann. Du siehst ja oben in der Tabelle, dass die Transcendkarten nur rund 20 MB/s schaffen. Schnelleren SD-Karten würden erstmal die USB 2.0-Schnittstelle ausnutzen. Du kannst hier auf die Sandisk-Extreme-Karten setzen. Die schaffen von sich aus rund 45 MB/s und sind damit doppelt so schnell, wie die Transcendkarten. Natürlich nur an einer USB 3-Schnittstelle. Wenn dein Mac so eine hat, dann kannst du auch einen von den obigen Kartenlesern verwenden. Ansonsten bringt er eher nichts.

  8. Lex sagt:

    DANKE für das Update!!! ;-)

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